Empathie

Nach der Veranstaltung mit Carolin Emcke, konnte ich es kaum erwarten, etwas von ihr zu lesen. Hier nun ein Auszug, der mich sehr bewegte:

“Ich glaube nicht daran, dass moralische Bildung abhängig ist von der Erfahrung von Leid. Ich glaube nicht, dass es der Schmerzen bedarf, um sich die Schmerzen eines Anderen vorstellen zu können. Glaube nicht, dass es notwendig ist, Opfer von Misshandlung und Gewalt zu werden, um die Verwerflichkeit von Misshandlung und Gewalt zu erkennen. Ich glaube vor allem nicht an die Wirksamkeit dieser Form der qualvollen Unterweisung, bei der Respekt vor dem Anderen gleichsam als direkte Lehre aus der Erfahrung der eigenen Missachtung gezogen wird. Ich fürchte, das Gegenteil ist allzuoft wahrscheinlicher. Aus erfahrener Gewalt entspringt die Selbstlegitimation, gewaltätig zu sein. Aus erlittenen Schmerzen resultiert die Mitleidlosigkeit den Schmerzen anderen gegenüber. Das ist übrigens auch die motivationale Grundlage für jene militärischen Ausbildungsmethoden, in denen junge Rekruten maßvoll gefoltert werden, damit sie später andere foltern können.” [aus Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF, Carolin Emcke]

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